Neue Ehrenmitglieder: Hans-Dieter Meyer und Dr. Rainer Theobald
Auf ihrer Sitzung am 10. Dezember 2025 haben die Vorstandsmitglieder einstimmig beschlossen, Hans-Dieter Meyer und Dr. Rainer Theobald zu Ehrenmitgliedern der Gesellschaft für Theatergeschichte zu ernennen.
In den Würdigungen ihrer Verdienste heißt es:
Hans-Dieter Meyer
Der gebürtige Königsberger studierte Mathematik, Physik und Musikwissenschaft und wurde Lehrer, Schulleiter und war in der übergeordneten Schulbehörde maßgeblich an der Einführung der Gesamtschulen beteiligt. Seit seiner Pensionierung 2001 widmet er sich vorrangig der Musik- und Theatergeschichte, verzeichnete einen musikhistorischen Bestand in Hagen und wandte sich dann der Theatergeschichte seiner Heimatstadt Königsberg in Ostpreußen zu. Aus dieser intensiven, nun bald 20 Jahre währenden Forschungstätigkeit ist das Internetportal Kultur in Ostpreußen (http://kultur-in-ostpreussen.de) entstanden, das weiterhin wächst.
Alles begann mit einer Fußnote in einem älteren Schriftenband der Gesellschaft für Theatergeschichte, die auf eine Sammlung von Königsberger Theaterzetteln verwies. Dies brachte Hans-Dieter Meyer in Kontakt mit der Gesellschaft, der sich noch intensivierte, nachdem der Forscher nach Berlin gezogen war. Die Theaterzettel hatten die Zerstörungen des 2. Weltkriegs überlebt und werden im Archiv der Berliner Akademie der Künste aufbewahrt. Kurz entschlossen, organisierte Meyer eine Spendenaktion zur Digitalisierung dieses Konvoluts, um die Digitalisate auch für seine Forschungen nutzen zu können. Seitdem sind die 14.000 Königsberger Aushangzettel nicht nur auf der Webseite der Akademie frei einsehbar, sondern ebenso auf den Seiten Kultur in Ostpreußen, wo sie zudem ausführlich analysiert und kontextualisiert werden. Doch dabei ist es nicht geblieben: Unermüdlich ist Meyer auf der Suche nach Königsberger Überlieferungen, die Krieg und Flucht überlebt haben könnten – und wird er fündig, kann man sicher sein, dass es alsbald auf seiner Webseite präsentiert wird. So sind dort inzwischen auch tausende Theaterzettel aus anderen Sammlungen integriert und bilden die Königsberger Theatergeschichte von 1802 bis 1944 fast lückenlos ab (mit einem kleinen Ausflug auch ins 18. Jahrhundert); daneben findet sich Material zu weiteren Theatern in Ostpreußen. So ist das Wissen um die Geschichte des wohl wichtigsten Theaters Ostpreußens durch Hans-Dieter Meyer erheblich erweitert und zugänglich gemacht worden. Als engagierter, wissensdurstiger wie bereitwillig sein Wissen Teilender bereichert er auch die Veranstaltungen der Gesellschaft.
Hans-Dieter Meyer hat sich damit in herausragender Weise um die theatergeschichtliche Forschung verdient gemacht; darüber hinaus ist er unter die Stifter gegangen und hat gerade die Stiftung Theatergeschichte errichtet, die erste Stiftung in Deutschland, die der Förderung der Theaterhistoriographie dient. Aus diesen Gründen hat ihm der Vorstand der Gesellschaft auf seiner Sitzung am 10. Dezember 2025 einstimmig die Ehrenmitgliedschaft verliehen.
Dr. Rainer Theobald
Am 8. September 1966 stellte der 21jährige Student der Theaterwissenschaft in Berlin seinen Aufnahmeantrag in die Gesellschaft für Theatergeschichte. Er ist daher eines der ältesten Mitglieder unserer Gesellschaft. Schon früh war es die Theatergeschichte und speziell auch die Sammlung und Bewahrung von theaterbezogenem Quellenmaterial, seien es Bücher oder Zeitschriften, Grafiken oder Libretti, was ihn leidenschaftlich interessierte. Zehn Jahre später, 1976 in Heft 28 der Kleinen Schriften der Gesellschaft für Theatergeschichte, beschreibt er unter dem Titel Akteure in Folio und Oktav. Über Entstehung, Anlage und Ziele meiner Theatersammlung das Profil seiner schon damals recht beachtlichen Sammlung. Diese Theatersammlung Rainer Theobald ist seitdem ständig gewachsen, über all die nicht immer einfachen Lebensstationen ihres Gründers hinweg, und ist heute eine der umfangreichsten im deutschsprachigen Raum.
Theobald, der zwischendurch in einer besonders turbulenten Phase der Gesellschaft das Amt des zweiten Schatzmeisters versah – der erste Schatzmeister hatte sein Amt nie angetreten –, wurde nach seiner Promotion an der FU Berlin und Stationen am Deutschen Theatermuseum München und als selbstständiger Antiquar in Berlin über Jahrzehnte die Institution für frühe Druckwerke und Autographen bei dem renommierten Auktionshaus Bassenge, für das er auch heute noch arbeitet. Sein Verdienst aber liegt vor allem in der Anlage und Auswertung seiner privaten Theatersammlung und darin, diese Quellen und den daraus erarbeiteten Wissensschatz allen, die auf diesem Gebiet forschen, kontinuierlich zur Verfügung zu stellen. In bisher elf Bibliographischen Mitteilungen stellt er wichtige Teile seiner Sammlung auf der Webpräsenz der Gesellschaft für Theatergeschichte zur Verfügung (https://www.theatergeschichte.org/ressourcen/bibliogr-mitteil-r-theobald), und zu seinem 80. Geburtstag veröffentlichte er 2025 eine Auswahl seiner Abhandlungen zur preußischen Theatergeschichte, die in sehr unterschiedlichen, teilweise nur schwer erreichbaren Zeitschriften erschienen waren, unter dem Titel Preussische Thalia. Man ist versucht zu bemerken, solche Persönlichkeiten gäbe es heute gar nicht mehr, aber das stimmt nicht: Es gab sie noch nie, außer in Ausnahmefällen, wie eben Dr. Rainer Theobald, der „sich um die Gesellschaft [und] auf theatergeschichtlichem Gebiet verdient gemacht“ hat, wie es in § 3 der Satzung unserer Gesellschaft bezüglich der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft gefordert ist. Diese Ehrenmitgliedschaft hat der Vorstand auf seiner Sitzung am 10. Dezember 2025 Dr. Rainer Theobald einstimmig verliehen.
Die Ehrenmitglieder der Gesellschaft für Theatergeschichte e. V.
Friedrich Haase (1827–1911)
Schauspieler – 1905 (80. Geburtstag)
Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen (1826–1914)
Theaterreformer – 1906 (80. Geburtstag)
Ludwig Barnay (1842–1924)
Schauspieler – 1922 (80. Geburtstag)
Max Grube (1854–1934)
Schauspieler – 1924 (70. Geburtstag)
Prof. Max Reinhardt (1873–1943)
Regisseur – 1930 (25 Jahre Theaterdirektor)
Dr. h.c. Georg Elsner (1874–1945)
Verleger – 1938 (Mitgründer)
Dr. Friedrich Michael (1892–1986)
Theaterhistoriker – 1976
Prof. Dr. Alois M. Nagler (1907–1993)
Theaterhistoriker – 1976
Dr. Maximilian Schochow (1892–1977)
Theaterhistoriker – 1976
Prof. Dr. Kurt Raeck (1903–1981)
Theaterdirektor – 1976? (langjährig Vorstand)
Dr. Herbert A. Frenzel (1908–1995)
Theaterhistoriker – 1979? (langjährig Vorstand)
Prof. Dr. Harald Zielske (1936–2014)
Theaterhistoriker – 1998 (langjährig Vorstand)
Dr. Lothar Schirmer (1943–2021)
Theaterhistoriker – 2014 (langjährig Vorstand)
Hans-Dieter Meyer (geb. 1937)
Theaterhistoriker - 2025 (Spezialist für die Königsberger Theatergeschichte; Gründungsstifter Stiftung Theatergeschichte)
Dr. Rainer Theobald (geb. 1943)
Theaterhistoriker - 2025 (Umfangreiche Theatersammlung; Verdienste im Vorstand)

