„Enthusiasmus ist noch zu wenig gesagt“

Die Stars des romantischen Balletts: sechs biographische Pas de deux

Zur Zeit in Druckvorbereitung:

Frank-Rüdiger Berger:

„Enthusiasmus ist noch zu wenig gesagt“
Die Stars des romantischen Balletts: sechs biographische Pas de deux
(= Schriften der Gesellschaft für Theatergeschichte e. V., Bd. 82)
Hardcover, ca. 260 S. sowie Anhang und Register (von Paul S. Ulrich)
89 teils ganzseitige Farbabbildungen

Aus dem Inhalt:

Vorwort
Kap. 1: Trotz ihres Berufes tadellos ehrbar – Anmerkungen zur Lebenswirklichkeit der Tänzerin im 19. Jhdt.
Kap. 2: Sei hochbesungen, Blume der Sylphiden! – Marie und Filippo Taglioni
Kap. 3: Er ist der Schiller, der Göthe der Choreographie – Paul Taglioni und Marie Taglioni d. J.
Kap. 4: Die Lieblinge der Terpsichore – Fanny und Therese Elßler
Kap. 5: Eine duftende Feldblume auf der Aue des Tanzes – Carlotta Grisi und Jules Perrot
Kap. 6: Fanny Cerrito, eine Frau – Fanny Cerrito und Arthur Saint-Léon
Kap. 7: Wir harren Dein, Du Liebling der Kamöne – Lucile Grahn und August Bournonville
Literaturverzeichnis, Abbildungsverzeichnis
Register (von Paul S. Ulrich)

Aus dem Vorwort:

„Enthusiasmus ist noch zu wenig gesagt“ – mit diesen Worten kommentierte 1837 der Kritiker Heinrich Adami Fanny Elßlers ersten Wiener Auftritt in ihrem Paradetanz Cachucha, den sie gleich zwei Mal wiederholen musste, und er fährt fort: „fast möchte man ein neues Wort erfinden, um diesen beispiellosen Erfolg zu bezeichnen.“ Seine Begeisterung steht gleichsam stellvertretend für die ganze Epoche des romantischen Balletts, während dessen Blütezeit (zwischen den Uraufführungen von Filippo Taglionis La Sylphide 1832 und Jules Perrots Pas de quatre 1845) das Publikum den tanzenden Stars europaweit zu Füßen lag.
Die wichtigsten Protagonistinnen des romantischen Balletts waren Marie Taglioni und Fanny Elßler. Sie vertraten zwei unterschiedliche Aspekte des Tanzes, die kontrastierend und sich gleichzeitig ergänzend diese Epoche ausmachten: Marie Taglioni stand für das Luftig-Leichte, das Ätherische der Geisterwesen, die die Balletthandlungen der 1830er und 1840er Jahre bevölkerten – seien es Sylphiden, Najaden, Dryaden oder gar Sterne, die zur Erde herabschweben. Fanny Elßler hingegen repräsentierte mit ihren lebensfrohen Charakter- und Nationaltänzen die erdverbunden-sinnliche Seite des romantischen Balletts. (...)
Das romantische Ballett war eine Modeerscheinung, die sich von den Balletthochburgen Paris und London über ganz Europa bis nach St. Petersburg und Moskau ausbreitete. In dieser Zeit etablierte sich der Bühnentanz als ernstzunehmende Kunstform, die auch von den anderen Künsten reflektiert wurde. (...)
Der Spitzentanz, der bis dahin von den Tänzerinnen vor allem als ein tanztechnisches „Kunststück“ eingesetzt worden war, wurde nun als Ausdrucksmedium entdeckt. Die Ballerina rückte ins Zentrum der Aufmerksamkeit und drängte den männlichen Tänzer in eine untergeordnete Rolle, aus der er sich erst im Laufe des 20. Jahrhunderts wieder befreien sollte. (…)
Das überwiegend männliche Publikum, für das die Opernhäuser in Paris bzw. London nicht nur „Kunsttempel“, sondern jeweils wichtige gesellschaftliche Treffpunkte waren, erkannte in den Geisterwesen der Ballette die anbetungswürdige, aber unerreichbare idealisierte Frau. Der erotisch-sexuelle Aspekt wurde parallel dazu ausgelebt: während der Aufführungen anhand indiskreter Einblicke durch die neuartigen Gazeröcke der Tänzerinnen mittels eines fast unvermeidlichen Accessoires des Ballettbesuchers, des Opernglases; jenseits der Aufführungen dann durch finanzielle Abhängigkeiten der Tänzerinnen von ihren Liebhabern und Gönnern bis hin zur offenkundigen Prostitution. (…)
Die Ära des romantischen Balletts war eine Phase der Inspiration und Rezeption des Balletts durch andere Künste. Unzählige Abbildungen der Stars der Zeit und der erfolgreichsten Werke wurden durch Lithographie und Holz- oder Kupferstich als Souvenirs und als Zeitungsillustrationen verbreitet. Das allgemeine Interesse am Ballett schlug sich auch in der Literatur und der Musik nieder: Ballett als Thema hielt Einzug in zahlreiche Romane, Novellen, Gedichte und Anekdoten. (…)
Vor diesem Hintergrund soll die vorliegende Darstellung über die Stars des romantischen Balletts und ihre Choreographinnen und Choreographen, die auf eine Vortragsreihe beim Staatsballett Berlin in der Spielzeit 2010-2011 zurückgeht, nicht nur mit zeitgenössischen Abbildungen aus Zeitungen und Büchern, mit Lithographien und Deckblättern von Ballettmusik bebildert werden, sondern auch im Sinne „literarischer Illustrationen“ mit ausführlichen Zitaten aus Kritiken, Passagen aus Novellen und Romanen und mit Gedichten.
Die Protagonistinnen des romantischen Balletts agierten nicht im luftleeren Raum: Sie waren mit ihren wichtigsten Choreographen oft familiär oder durch eine Liebesbeziehung verbunden. Daher wurde für die vorliegende Darstellung die Form von Doppelportraits gewählt. (…)
Dabei sollen Archivfunde und ein Augenmerk auf die Berliner Gastspiele der Tänzerinnen die bereits bekannten Monographien über sie ergänzen und gemeinsam mit einem ausführlichen Kapitel zu Paul Taglioni und Marie Taglioni d. J. einen Beitrag zur noch wenig erforschten Ballettgeschichte Berlins leisten.

Frank-Rüdiger Berger

 

Erweitert: Bibliographische Mitteilungen aus der Theatersammlung Rainer Theobald

Wir freuen uns, die Bibliographischen Mitteilungen aus der Theatersammlung Rainer Theobald, anhand derer Teile der umfangreichen privaten Theatersammlung von Dr. Rainer Theobald recherchierbar sind, um mehrere Bestände erweitern zu können.

Veröffentlicht sind nun die Listen mit den Beständen zu August Wilhelm Iffland, zu Max Herrmann, zu Theaterbau, Bühnentechnik, Bühnenbild sowie die große Sammlung vor 1800 gedruckter Opern-, Singspiel- und Ballett-Libretti.

Sie finden die Bibliographischen Mitteilungen unter dem Menüpunkt „Publikationen/sonstige Ressourcen und Quellen“ und unter diesem Link.

 

Max-Herrmann-Dissertationspreis der Gesellschaft für Theatergeschichte 2021

Ausschreibung

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Gesellschaft für Theatergeschichte lobt auch in diesem Jahr ihren Max-Herrmann-Dissertationspreis aus: Wir bitten um die Einreichung von herausragenden Doktorarbeiten mit theaterhistorischem Inhalt gemäß der Satzung.

Der Preis heißt in Erinnerung an Max Herrmann, den 1942 im Konzentrationslager Theresienstadt unwürdig ums Leben gekommenen Begründer der Berliner Theaterwissenschaft, Max-Herrmann-Dissertationspreis der Gesellschaft für Theatergeschichte und soll zusammen mit dem Max-Herrmann-Preis der Freunde der Staatsbibliothek Berlin im Mai 2021 verliehen werden.

Wir weisen auf die in der Satzung vorgesehene Einreichungsfrist bis zum 31. Dezember 2020 ausdrücklich hin und bitten um rege Beteiligung, Weitergabe dieser Ausschreibung und der Satzung des Preises – und sind natürlich sehr gespannt!

Die Satzung des Max-Herrmann-Dissertationspreises der Gesellschaft für Theatergeschichte mit den entsprechenden Informationen finden Sie hier.

 

Max-Herrmann-Dissertationspreis der Gesellschaft für Theatergeschichte 2020

Preis verliehen an Senad Halilbašić

Erstmals zeichnete die Gesellschaft für Theatergeschichte in diesem Jahr eine herausragende theatergeschichtliche Dissertation mit dem neu ausgelobten Max-Herrmann-Dissertationspreis der Gesellschaft für Theatergeschichte aus.

Der Vorstand der Gesellschaft erkannte den Preis auf Vorschlag der Jury Senad Halilbašić für seine Arbeit „Spielende und Zuschauende sowie eine Granate, die weit genug weg ist“. Theater in Bosnien und Herzegowina 1992-1995 zu.

Die Preisverleihung fand am 21. Oktober 2020 in einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Preisverleihung des Max-Herrmann-Preises der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin statt. Die Laudatio hielt Stephan Dörschel. Senad Halilbašić schloss in seine Danksagung einen flammenden Appell für das lebendige Theater ein, gerade auch in Krisenzeiten, wie es damals in Bosnien war und wie es heute durch die Covid19- Pandemie ist.

In der Begründung der Jury heißt es:
„Die Dissertationsschrift bietet Theatergeschichte als Zeitgeschichte, gibt Einblick in die Rolle des Theaters in den jugoslawischen Zerfallskriegen der 90er Jahre, am Beispiel von Bosnien und der Herzegowina in den Jahren des Bosnienkrieges 1992-95.
Die vier Hauptkapitel rücken jeweils eine Stadt in den Fokus: Mostar in der Herzegowina, Tuzla und Sarajewo in Bosnien, Banja Luka in der Republika Srpska. Der Verfasser legt mehr Gewicht auf die drei Provinzstädte als auf die Metropole Sarajevo, deren Theaterentwicklung während der Kriegsjahre schon Gegenstand vorhandener Forschungen war. Die Lektüre der Studie vermittelt ein differenziertes Bild des Bürgerkriegsgeschehens im Bosnienkrieg, in das hier die Theatergeschichte eingebettet wird. Die Entwicklungen des Verhältnisses zwischen Theater und Stadtgesellschaft werden jeweils an ein oder zwei führenden Theatern in der jeweiligen Stadt exemplifiziert.
Sehr klug reflektiert der Verfasser in der Einleitung seine eigene historisch-politische Positionierung als in Wien aufgewachsenes Kind einer bosnisch-muslimischen Familie. Er zeigt auf, welche Rolle seine familiäre Herkunft bei den Recherchen und Gesprächen im ehemaligen Kriegsgebiet spielte. In methodischer Hinsicht besticht die Argumentation durch umsichtige Einbeziehung einer Fülle heterogener Quellen. Der Verfasser stützt sich auf Oral-History-Interviews, Aufführungsaufzeichnungen, Theaterstücke sowie vielfältige Archivalien (Plakate, Fotos, Programmzettel, Rezensionen etc.). Die Arbeit zeigt, wie sich ein Bürgerkriegsgeschehen umfassend in der Theaterentwicklung des Konfliktgebiets spiegelt. Die Theater sind im Grunde keine Inseln oder Schutzräume (wobei dieser Gedanke im Sarajevo-Kapitel ausführlich erörtert wird), sondern werden von den Kriegsparteien auf unterschiedlichste Weise instrumentalisiert, lassen sich vereinnahmen etc. Man könnte hier mit einigem Recht von einem „Einbruch der Zeit in das Spiel“ sprechen.
Die Stärke der Arbeit liegt in ihrem wichtigen, substantiellen Beitrag zu dem in den letzten Jahren stetig an Bedeutung gewinnenden Forschungsfeld Kriegstheater; mitreißend und materialnah geschrieben, bietet sie genaueste Mikro-Einblicke in die jeweiligen Stadtgesellschaften und die Rolle des Theaters. Sie wahrt auf souveräne Weise Distanz zu den Narrativen der Kriegsparteien und verbindet Oral History auf innovative Weise mit Diskurs- und Inszenierungsanalysen – eine politische Theatergeschichte von höchster Relevanz. Dies kompensiert in vollem Umfang den Verzicht auf eine explizite und ausgeweitete Theorie- und Methodendiskussion, die gleichwohl implizit im Text geleistet ist. Insgesamt handelt es sich um eine herausragende voll preiswürdige Arbeit.“

Die Jury bestand aus Dr. Wolfgang Jansen, Dr. Britta Marzi, Dr. Lea-Sophie Schiel, Prof. Dr. Meike Wagner (Sprecherin) und Prof. Dr. Matthias Warstat.

 

 

Dr. Andrea Heinz - Nachruf

Am 8. September 2020 verstarb nach tapfer ertragener Krankheit unser langjähriges Vorstandsmitglied Dr. Andrea Heinz.

Andrea Heinz war von 2005 bis 2016 Zweite Schriftführerin der Gesellschaft für Theatergeschichte; sie gestaltete die erste Website für die Gesellschaft und repräsentierte lange Zeit den Vorstand in der Jury für den Förderpreis, mit dem die Gesellschaft Magister- bzw. Masterarbeiten zu einem theaterhistorischen Inhalt auszeichnete.
Ihre inhaltliche Kompetenz und ihre konstruktive, immer heiter-ausgleichende Art brachten viele Diskussionen und auch manche Sitzungen des Vorstands voran.
Ihre wissenschaftliche Publikationsliste ist hier einsehbar.

Wir werden Dr. Andrea Heinz sehr vermissen und ihrer in Ehren gedenken.

Der Vorstand

 

Absage der Gesellschaftsabende im Januar und März 2021

Liebe Mitglieder, sehr geehrte Damen und Herren,

aufgrund der nach wie vor grassierenden Corona-Pandemie haben wir uns entschlossen, die für Januar und März 2021 geplanten Gesellschaftsabende abzusagen.
Wir hoffen, die Referenten zu einem späteren Zeitpunkt erneut einladen zu können.

 

Bd. 81 der Schriften: Perspektiven auf Max Herrmann

Band 81 der Schriften der Gesellschaft für Theatergeschichte ist erschienen:

Stephan Dörschel, Matthias Warstat (Hg.): Perspektiven auf Max Herrmann. 100 Jahre Forschungen zur deutschen Theatergeschichte. Berlin 2018. 208 S. mit 25 Abb. ISBN 978-3-924955-22-9; 49,- €

 

Der Band versammelt u.a. die Vorträge, die 2014 auf dem Max Herrmann-Symposium gehalten worden sind. Inhalt

Informationen zum Symposium erhalten Sie hier.

 

 

 

 

Die Mitglieder der Gesellschaft für Theatergeschichte haben den Band im Rahmen ihrer Mitgliedschaft erhalten.

Interessierte Nicht-Mitglieder können den Band bestellen über:

Gesellschaft für Theatergeschichte e. V.
c/o Dr. Ralf Schuster
Sponholzstraße 27
12159 Berlin

oder per E-Mail schatzmeister1@theatergeschichte.org

Gesellschaftsabende 2020/21

Die Gesellschaftsabende im Herbst 2020 mussten wir aufgrund der Covid19-Pandemie leider absagen, wir hoffen aber die Gesellschaftabende am

Freitag, 22. Januar 2021
Freitag, 19. März 2021

durchführen zu können.

Beginn 19 Uhr
Der Eintritt ist frei, Gäste sind herzlich willkommen.

Ort: Kulturvolk | Freie Volksbühne Berlin e.V.
Veranstaltungsraum
Ruhrstr. 6
10709 Berlin
www.kulturvolk.de

 

Theatergeschichte aktuell

Unseren Newsletter 47 finden Sie unter
Theatergeschichte aktuell 47 (Nov-Dez. 2020)

Möchten Sie den Newsletter regelmäßig per E-Mail zugeschickt bekommen? Dann kontaktieren Sie bitte den Ersten Schriftführer Stephan Dörschel.
E-Mail: Schriftfuehrer1@Theatergeschichte.org

Online-Spielpläne der Theater

Viele Theater bieten auf ihren Websites einen online-Spielplan an und zeigen z. T. historische Aufführungen.
Eine Übersicht bietet Nachtkritik.de auf seiner Website bzw. unter diesem Link

.

Dokumentation Wiener Theater

Paul S. Ulrich, Vorsitzender der Gesellschaft für Theatergeschichte, hat mit dem Wien-Band den ersten Teil seiner geplanten Dokumentationsreihe zu Topographie und Repertoire von europäischen Theaterstädten und -regionen vorgelegt.

Wiener Theater (1752-1918). Dokumentation zu Topographie und Repertoire anhand von universalen Theateralmanachen und lokalen Theaterjournalen. mit einem Überblick zu Zeitungen mit Theaterreferaten und deren Referenten. (Topographie und Repertoire des Theaters. 1: Österreich: Wien) Wien: Hollwitzer 2018. L, 363 S.

Den Flyer des Verlags in Englisch und Deutsch finden Sie hier.